Es gibt sie doch: die Motivklingel!

Wer sie nicht kennt, hat bisher im Bereich der Kreativität in der Fotografie echt was verpasst: Monis Motivklingel. Monika Andrae macht seit geraumer Zeit diesen wirklich hörenswerten Podcast, der sich abseits von allem technischem Schnickschnack auf das Wesentliche in der Fotografie fokussiert: Wie mache ich gute, interessante und vor allem kreative Bilder.

Nachdem der Workshop im letzten Jahr leider nicht zustande gekommen war, ergab sich für mich nun die Gelegenheit, mal kreativ "den Hintern hoch zu bekommen". Ich hatte ja schon diverse Bücher über Bildgestaltung und die Ideenfindung für interessante Fotos gelesen, aber wirklich umgesetzt hatte ich bisher noch nicht viel davon. So ging es also Freitags in Richtung Tübingen. Der zweitägige Motivklingel-Workshop fand in den Räumlichkeiten von "Top Floor Productions" statt, auch bekannt als Studio von Chris Marquardt. Dort fanden sich Samstagmorgens insgesamt sechs wissensdurstige und unternehmenslustige Hobbyfotografen ein, die unter Anleitung von Moni gemeinsam etwas über die Ideenfindung und -umsetzung lernen wollten. Als notorischer Benutzer der linken Gehirnhälfte - kurz "logisch veranlagt" - hatte ich bisher mit kreativen Ideen immer meine Schwierigkeiten. Die im Workshop vermittelten Techniken und Ansätze schafften es aber, sogar bei mir ein paar Synapsen in der rechten Gehirnhälfte zünden zu lassen.

Hier nun die Aufgaben und einige Bildergebnisse:

Ideenfindung Teil 1: Aus Wörtern, die auf magnetischen Labels am Stahlschank angebracht waren, bildeten wir Sätze und setzten diese dann in Zweiergruppen fotografisch um. Hier "Sand im Ohr macht keinen Sommer". Es handelt sich um einen Schnappschuss, was meiner rechten Gehirnhälfte überhaupt nicht in den Kram passte, da es ja ein Zufallsbild ist. Zum Glück konnte sich meine Ratio dann an den Leitsatz "F8 and be there" erinnern, den Robert Capa bereits in den 40ern des vergangenen Jahrhunderts prägte. Manchmal muss man für ein gutes Foto einfach nur da sein. Dinge passieren dann ganz automatisch und man muss nur noch abdrücken.

Die zweite Aufgabe war eher allgemein gehalten. Hier ging es um grundsätzliche Motive in guten Bildern (Strukturen, Linienführung, Drittelregel, etc.). Wir sollten uns eines der Themen heraussuchen und eine Regel brechen (Kamera gerade ausrichten, korrekt belichten, Schärfe auf dem Hauptmotiv, etc). Die Aufgabe war mir zu allgemein gehalten und ich lief vollkommen unkoordiniert durch das französische Viertel von Tübingen. Heraus kam dieses ziemlich durchschnittliche Bild. Besonders schwierig war es, mit der Leica M9 den Ausschnitt korrekt zu treffen. Ich hatte nur meine 35er Festbrennweite dabei und der eingeblendete Rahmen passt nur bei einer bestimmten Entfernung exakt zum Ergebnis.

Zweites Foto zu zweiten Aufgabe: Hier ging es mir um die Linienführung. Die gerade Ausrichtung der Laterne kontert die Diagonale der Hauswand. Die Farbtupfer (gelber Sonnenschirm und roter Ring in der Laterne) bilden eine farbliche Diagonale. Alles in allem ein durchschnittliches Bild, das ich mir nicht gerade über die Couch im Wohnzimmer hängen würde. Auch im MoMA wird es wohl niemals hängen... Der Workshop gipfelte am Sonntag in einem freien Fotoprojekt, zu dem wir in Zweiergruppen 1,5 Stunden Zeit für die Ideenfindung und Vorbereitung hatten. Nach der Mittagspause ging es zur Umsetzung, für die wir ebenfalls 1,5 Stunden Zeit bekamen. Jede Gruppe hatte dann 10 Minuten Zeit, ihre Idee zu präsentieren. Dies ist ein Teil meiner Fotos. Wir setzten Farben mit Zahlen in Bezug und illustrierten nachfolgend, welche konkrete Zahl mit welcher Farbe gleichgesetzt wurde.

Im Verlauf des Workshops wurde allen Teilnehmern klar: Je enger man ein Thema fasst, desto einfacher wird es, gute Bildideen zu entwickeln. Das zeigten schon die ersten beiden Themenrunden am Samstag. Eher allgemein gehaltene Richtlinien führten bei mir dazu, dass ich unkoordiniert durch die Gegend lief. Je konkreter die Aufgabe jedoch gestellt war, desto eher sprudelten die kreative Ideen. Insgesamt traf bzw. übertraf der Workshop absolut meine Erwartungen. Moni schaffe es, jeden Teilnehmer aus der Komfortzone herauszulocken und zu interessanten Bildern zu motivieren. Ich persönlich werde in jedem Fall einige der Ansätze dieses Workshops aufnehmen und für eigene Fotoprojekte verwenden.